Pitz Alpine Glacier Trail 2020 - 90 km/5400hm (Bericht vom 09.08.2020)

Ich legte mich gestern um 21 Uhr ins Bett. Die Pizza die wir zum mitnehmen nach dem Sieg bestellt haben, blieb bis auf zwei Stücken unberührt. Bei der Nachricht an eine Freundin, vielen mir die Augen zu. Mein Körper brauchte nichts mehr. Nur noch schlaf. Meine Beine legte ich jetzt nach 40h das erste Mal wieder hoch.
Rückblick: Bereits nach den ersten Metern ging es steil berghoch. Wir Läufer wurden bei der Anmeldung eingeteilt. In „Elite“, „Ambitioniert“ und „Genussläufer“. Damit die Schnellsten am Start vorn stehen. Ich ärgerte mich beim ersten Anstieg, mich bei den Genussläufern eingetragen zu haben. Das war mir dann doch zu langsam und überholen war schwer möglich, da der Weg schmal war. Nach nur 5km standen wir auf über 3000hm. Der erste große Anstieg war geschafft. Nun ging es Richtung Gletscher. In der Dunkelheit unterhielt ich mich mit meinem Hintermann. Ich weiß nicht mal wie er ausgesehen hat. Noch waren viele Läufer in Gruppen unterwegs. Der Erste hatte es immer am schwierigsten. Weil er die Makierungen suchen musste. Dort wo wir liefen gab es keine Wege mehr. Nur verblocktes Gelände. Am Gletscher angekommen war es immer noch dunkel. Aber der Schnee, der vom Mond angestrahlt wurde, offenbarte uns die Konturen dieser Bergwelt. Wir waren mittendrin. Zogen die Spikes an und rannten über den Gletscher. Von oben ging es wieder runter ins Tal. Auch an der 2. Verpflegungsstation habe ich nur Wasser aufgefüllt und bin schnell weiter. Nach 16km kam ein neuer Anstieg. Schon jetzt schmerzte mein Körper. Ich fühlte mich so langsam. Aber als ich zurückschaute sah ich auf dem ersten Gipfel, den ich schon längst hinter mir hatte hatte, die Stirnlampen der Läufer, die immer noch im Abstieg waren. Dann schaute ich nach oben und sah die Lichter, die schon vor mir sind. Irgendwann hatte ich kein Zeitgefühl mehr. Es wollte einfach nicht hell werden. Die Abstiege im Dunkeln forderten die meiste Konzentration. Zweimal bin ich gestürzt. Einmal rechte Arschbacke, einmal linke. Kilometer 65-70 war meine Fluchphase. Jede Welle war eine Qual. Dann ging es endlich ins Tal runter. Ab Kilometer 76-90 ging es jetzt fast nur noch berghoch. Ich war nun auch wieder ganz allein. Die Männer irgendwo hinter mir. Dieser Lauf wollte einfach nicht enden. Ein neues steiles Stück und ich weinte davor. Mein Körper schreit seit so vielen Stunden „hör auf, hör auf. Es tut so weh.“ Und noch mit Tränchen im Auge machte ich mich an diesen Anstieg. Ich habe so etwas noch nie in mir gefühlt und es ist schwer zu erklären, was man da genau durchlebt. Ich war komplett am Limit. Die letzten 15 Kilometer fing ich an wieder zu rennen. Das mag jetzt seltsam klingen und widersprüchlich. Ich fand es selbst absurd, aber ich war so leer, es tat so weh, da kann es auch rennend weh tun. Ich rannte wie ein Opa der joggen geht. Habt ihr vielleicht mal gesehen. Die machen Joggingbewegungen, aber ganz langsam mit kleinen Schritten. Ich glaube so sah es bei mir aus. Als ich dachte noch 4km, sagte mir die Frau an der Kontrolle lächelnd, noch 10km. Was das mit einem macht, kann sich keiner vorstellen. Immer noch leicht berghoch. Kurz vorm Ziel war Judith mit dem Fahrrad da und fuhr kurz neben mir her. Der letzte Kilometer. Mandarfen. Zum 4. und letzten Mal. Im Ort stand auch schon Marie, die mir kurz vorher Sprachmemos geschickt hat. Schreiend und voll motivierend. Die Mädels haben mich so herzlich und mitfühlend begrüßt. Ich lief durch das Ziel. Nach 20:47h. Ich wollte unter 18h. Aber jetzt, wo ich die Strecke kenne, nachdem ich weiß was in den fast 21h passiert ist, macht mich diese Zahl glücklich. So viele Läufer haben aufgegeben, es nicht im Zeitlimit geschafft. Ich bin ohne Stöcke gelaufen. Was nur ganz wenige machen. Ich bin eine wahre Siegerin. Die Veranstalter waren so zauberhaft. Obwohl dort nichts mehr weiter los war, machten sie eine offizielle Siegerehrung. Für mich eigentlich nicht notwendig. Aber als ich da oben war, als 1. Frau gefeiert wurde und meinen Preis erhalten habe, war das auch eine Belohnung für diese ganze Schinderei. Danke für all eure Nachrichten, eure Daumen. Es kamen wirklich viele. Sie waren unheimlich hilfreich für mich. Ich weiß noch nicht ob ich so etwas in der Art nochmal in meinem Leben mache oder brauche. Jetzt sitz ich erstmal am Heck, trink einen Kaffee und esse Melone mit Judith und genieße die letzten Stunden dieses aufregenden Wochenendes. Mir geht es heute schon erstaunlich gut. Da geht wohl noch mehr? ?

Südtirol Ultra Skyrace 2018 - 69km/3900hm (Post vom 30.07.2018)

Es ist schon wieder viele Stunden her, seit ich diese verdammte rote Ziellinie überquert habe. Ich musste das alles erstmal sacken lassen. Deswegen war ich nicht im Stande, gleich was zu posten. „Ich kann es nicht glauben. Ich werde es schaffen.“ Dieser Gedanke ging mir ständig durch den Kopf, als ich nur noch 15km vor mir hatte. Ich konnte immer noch ein bisschen rennen. Hatte zwar Schmerzen in den Beinen und im Nacken. Aber es war ein Schmerz, den ich ertrage kann. „Ich werde tatsächlich das Ziel erreichen“. Ein wunderbarer Gedanke, der mich weiter getragen hat, obwohl mein Körper schon total fertig war. All meine Emotionen, die ich eigentlich sonst erst in der Endzone herauslassen kann, erreichten mich schon auf der Strecke. So bin ich völlig leer nach 12 Stunden und 18 Minuten über die Ziellinie. Ein endlos, langer Wettkampftag ging um 19:18 Uhr zu Ende. Nichts konnte ich in der Zeit essen. Lediglich diese saftigen, süßen Melonen schwirrten mir ständig im Kopf, die es an den Verpflegungsstellen gab. Nicht mal meine Riegel habe ich runter bekommen. Mir war übel auf Strecke, ich hatte zwischenzeitlich Bauchschmerzen, meine Blase zwang mich ständig irgendwo anzuhalten und am Ende konnte ich nicht mal mehr tief atmen. All das nervte. Aber meine Beine, meine kleine, fitten Beine, sie trugen mich immer weiter. Auch wenn der Kopf schrie: Hör auf damit, bleib jetzt hier stehen und hau dich ins Gras. Sie liefen irgendwie weiter. Es war so hart. Es war so hart...Zeitweise war ich wie in Trance. Konnte kaum Lächeln, wenn die Leute am Rand applaudierten. „Bravo, Bravo“, hörte ich sie zurufen. Aber ans aufgeben habe ich nie gedacht. Ich kann es immer noch nicht glauben. All das war es wert. Und auch wenn ich mir während des Laufens gesagt habe, „die Scheiße machst du nie wieder.“ Ich bin mir sicher, ich werde es wieder tun. Und dann werden es die 100km. Denn da geht noch mehr! Danke für eure Nachrichten, eure Daumen. In harten Momenten habe ich an euch gedacht.

03.10.2016 - 13. Borsberglauf

Zum dritten mal habe ich am Borsberglauf teilgenommen. Für mich immer noch einer der schönsten und wichtigsten Läufe. Er ist mein Heimatlauf. Hier trainiere ich für all die großen Ultraläufe. Es gibt kaum einen besseren Ort in Dresden um den Trubel zu entfliehen, den Kopf frei zu bekommen, die Natur zu genießen und den Blick über die Stadt schweifen zu lassen.

 

Was natürlich beim 13. Borsberglauf am 03.10.16 nicht möglich war.

Auch wenn ich schon lange nicht mehr nach Zeiten laufe, der Reiz war einfach zu groß. Erneut wollte ich auf's Treppchen wie im Jahr 2013. Als ich ganz überraschend den zweiten Platz belegte.

Ich wusste, dieses Jahr könnte das was werden. Ich war super fit wenn es um Anstiege ging. Die Beine und der Kopf sind stärker geworden.

Ich kenne die Strecke wie meinen Westentasche bzw. wie meinen Trailrucksack ;). Dadurch wusste ich genau meine Kräfte einzuteilen.

Beim Warmlaufen merkte ich recht schnell, die Beine sind heute gut und sie haben Bock auf diese Herausforderung. 10:20 Uhr fiel der Startschuss für die kurze Strecke. 6,5 km und ca. 250 hm waren zu bewältigen.

 

Beim ersten Anstieg überholte ich die ersten Frauen. Eine Zeit lang blieb ich immer hinter der zweiten Frau. Beim großen Anstieg vom Leitenweg in den Wald konnte ich dann überholen und baute etwas Abstand auf. Zum erstenmal habe ich es geschafft, diesen Teil komplett zu laufen. Ohne zwischendurch zu gehen.

 

Zeitweise konnte ich die erste Frau bei manchen Abschnitten sehen. Aber ich wusste, es wird schwer sie noch zu erreichen.

Für mich stand fest, alles geben für den zweiten Platz.

Abwärts blieb ich immer an drei Männern dran die mich zogen. Auch im Abstieg bin ich besser geworden. Traute mich, noch schneller zu rennen. Jeder Schritt musste sitzen um nicht umzuknicken.

 

Ich bereitete mich mental auf den letzten Anstieg vor. Da ich meinen Abstand noch vergrößern konnte, waren die letzen Meter nicht ganz so hart. Ich wusste, den 2. Platz kann mir keiner mehr nehmen.

 

Happy und mit einem riesen Strahlen kam ich ins Ziel. Trotz Regen und rutschigen Passagen habe ich meine persönliche Bestzeit aus dem Jahr 2013 geknackt und bin nach 34:07 min ins Ziel.

23. Juli 2016 - 2. Grossglockner Ultra Trail

I did it! Well done!

 

Geschafft! Ich habe so viel vom Glockner Trail 2016 zu berichten und doch finde ich kaum Worte,

die 9:14.58 zu beschreiben.  

Das war kein „Über Stock und Stein“. Wohl eher ein „Über Wasserfälle und Schneepassagen.

Es ist 2 Uhr und mein Wecker holt mich aus dem Kurzschlaf. Gerade mal 2 Stunden habe ich geschlafen. Kein Auge habe ich zu bekommen. 4 Uhr fuhr der Shuttle Bus uns von Kaprun nach „Kals am Grossglockner“. Ich wollte so gerne die 90 min im Bus nochmal schlafen, aber es wollte einfach nicht klappen.

 

Kurz nach 5:30 Uhr sind wir in Kals angekommen. Die letzten 90 min bestanden aus dem Race-Briefing, einen Kaffee und etlichen Toilettengängen. Dann, kurz vor 7 Uhr stand ich nun mit 269 anderen Trail Läufern am Startblock.

 

So viele Wochen habe ich mich auf dieses große Ereignis vorbereitet. Dabei spielten 3 wichtige Punkte in meinem Training eine große Rolle. Angefangen, von vielen Laufstunden im „Schönfelder Hochland“, der „Sächsischen Schweiz“, Laufstrecken zu meiner Arbeit und zurück, sowie Treppenläufe als Intervalltraining mit anschließendem Beintraining. Jeder kleine Hügel wurde belaufen. Es ist wirklich nicht leicht, im Flachland sich auf einen Alpinen Trail Lauf vorzubereiten. Dabei sind die Höhenmeter das kleinste Problem.

Das Schwierigste sind die Vorbereitungen auf Alpines Gelände. Die mir, wie ich später auf der Strecke feststelle, manchmal gefehlt haben.

Der zweite wichtige Punkt in meiner Vorbereitungszeit war das Stabilisationstraining. In den letzten beiden Jahren hat es sich bei meinen Läufen, den „Eiger Ultra Trail“ und den „Zugspitzlauf“ bezahlt gemacht.

Gerade wenn es steil bergab geht und ich (für meine Verhältnisse) recht flott unterwegs bin, soll jeder Schritt durch meine Muskeln abgefangen werden und die Gelenke stützen. Ich wollte das Risiko umzuknicken so gering wie möglich halten und wenn es doch mal passiert, mir keine Probleme bereiten.

Der 3. Punkt war meine Ernährung. Durch meine zweite große Leidenschaft, dem „Streetworkout“, habe ich über den Winter und bis zum Frühjahr 3 kg Muskeln aufgebaut. Also 58 kg auf 158 cm ist für eine Läuferin schon gewaltig :D. Die mussten runter. Denn jedes Kilo macht sich auf der Strecke bemerkbar. Da der Trail Rucksack mit der Pflichtausrüstung auch auf gute 3 kg kommt, wollte ich bis zum Start auf 55 kg zurück.

Was ich dann auch ohne hungern, aber mit viel Kontrolle geschafft habe.

 

Es ist 6:59 Uhr und ich bin entspannt. Fühl mich gut und bereit für dieses einmalige Erlebnis. Mein bester Freund Tobi war an meiner Seite. Wir haben gemeinsam beschlossen, dieses Jahr getrennt zu laufen. Jeder für sich. Für mich war das eine ganz neue Herausforderung. Ich wollte unbedingt mal einen Ultralauf alleine bewältigen.

Nach 6 Tagen ohne Laufen (was ich immer vor so einem Wettkampf mache) schrien meine Beine schon, „Los, bring uns in Bewegung“. Der Startschuss fällt und mit ihm all meine Gedanken und Gefühle über das was wahr. Ich laufe los! 50 km und 2000 hm liegen nun vor mir und in diesem Moment überkam mich das Gefühl, „Das wird ein guter Tag für dich“.

Die ersten Kilometer war ich gut dabei. Ich empfand es als angenehm, dass es zu Beginn nur leichte Steigungen gab. Bis Kilometer 15 haben wir 600 hm absolviert. Ich habe es geschafft, bis dahin alles laufend zu bewältigen und nicht zu gehen. Ständig kam mir der Gedanke, es wäre jetzt nicht richtig aus dem Rhythmus zu kommen.

Doch dann blieb mir nichts anderes übrig. Der erste große Anstieg lag vor uns. 500 hm auf 3 km. Man war das steil. Die Oberschenkel brannten und die Höhe machte sich auch langsam bei meinem Kreislauf bemerkbar. Ich blieb bestimmt 4-5x kurz stehen um einen großen Schluck Wasser zu trinken. Alles was mir bei diesem Aufstieg durch den Kopf ging war, „Scheiße, dieser Mist kommt dann nochmal!“

Ich musste an Sebastian Kienle denken. Wie er bei der Ironman-WM in Hawaii, nach seinem Sieg im Interview meinte, immer in Etappen denken. Niemals an das Ziel. Also Linda, erstmal der Aufstieg, dann schaust du weiter.

Oben angekommen! Der Blick von dem „Kalser Tauern“ war überwältigend. Wir waren auf 2500 hm. Sofort ging es wieder bergab und ich war glücklich, wie gut es doch auf einmal wieder ging.

© trailrunning.de by Klaus Sobirey

Nach 3:12 h überquerte ich die erste Zeitzone und kam an der großen Verpflegungsstelle „Rudolfshütte“ an. Die erste Frau war an diesem Punkt nur 1 Stunde vor mir. Allein das macht mich schon ziemlich stolz. Hier erblickte ich auch Tobi. Wir umarmten uns und unsere Blicke über die ersten Kilometer sprachen Bände. Wir mussten nicht viel reden um zu wissen was der andere über diese Strecke denkt. Das war auch der einzige Moment vom ganzen Lauf, wo wir uns kurz gesehen haben.

20 km lagen hinter mir und ich dachte nicht daran lange Pause zu machen.

Schnell Wasser aufgefüllt, Melone und Orange reingehauen. Was die reinste Wohltat war. Einen Riegel aus meinem Rucksack hab ich dann auch noch verschlungen. Das war auch alles was ich auf der ganzen Strecke an Essen zu mir genommen habe. Mehr hätte den Körper nur belastet. Ich hatte auch absolut keinen Hunger.

Weitere 2 km Abstieg folgten. In diesem Teil kam für mich, wie ich im Nachhinein festgestellt habe, die schwierigste und gefährlichste Stelle der ganzen Strecke. Ein steiler, von Schnee bedeckter Abhang der überquert werden musste. Nur eine schmale, rutschige Kante, auf der wir entlang konnten. Vor mir ein Läufer und vor ihm eine Läuferin die ein wenig Panik bekam. Er hat sich so sehr auf die Frau konzentriert, dass er die ca. 30 m nach unten stürzte. Er hat es aber irgendwie hinbekommen auf dem Po runterzufallen und sich mit den Händen abzubremsen. Nein ich wollte das nicht. Nein, ich möchte da nicht runtersegeln. Vor mir, immer noch die unsicherer Trailerin. Ich krallte mich mit meinen linken Fingern in den Schnee und hielt die Frau mit der rechten Hand fest um ihr ein besseres Gefühl zu geben. Sagte ihr, sie soll mit beiden Händen sich fest in den Schnee krallen und ihren Körper Richtung Hang lehnen. Dabei bin ich einmal mit dem rechten Fuß abgerutscht, konnte mich aber mit den Fingern irgendwie in den festen Schnee krallen. Meine Finger waren nun eiskalt und fast taub. Aber wir schafften es bis zum anderen Ende. Da merkte ich, meine Schuhe waren null Hilfe für diesen Trail.

© trailrunning.de by Klaus Sobirey

© trailrunning.de by Klaus Sobirey

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Mein Blick ging jetzt nach oben. Da lag er vor mir, der zweite Anstieg. Gewaltige 700 hm auf knapp 3 km. Dass ich nach diesem Anstieg gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft habe, hatte ich vor lauter Konzentration total vergessen. Oder verdrängt. Das könnte auch sein ;).

Vorbei ging es jetzt an weglosen Passagen. Ein Meer aus Steinen und Geröll  und wir mittendrin. Manchmal musste ich kurz stehen bleiben, um das nächste rote Fähnchen zu finden, was uns auf dem gesamten Trail leitet. Ich dachte irgendwie beim zweiten Anstieg an nichts. Ich hab einfach funktioniert, mich konzentriert und einen Schritt nach den anderen getan.

© trailrunning.de by Klaus Sobirey

Schon etwas amüsant, am meisten schmerzte mein Nacken. Ich hätte die Liegestütze und Handstandübungen wohl 2 Tage vorher lassen sollen. Auch meine linke Hüfte machte sich nun bemerkbar. Das ahnte ich aber schon. Da ich immer mal wieder im Training damit zu tun hatte. Aber während der Strecke ließen sie nach. Meine größte Sorge war mein großer Zeh mit dem ich seit Jahren Probleme habe. Doch da war nichts. Kein Schmerz. Also auch die Übungen für meine Füße haben sich ausgezahlt und mein Physiowissen hat mich weiter voran gebracht.

Die Läufer haben sich nun auf der ganzen Strecke verteilt. Ich war an manchen Streckenteilen ganz allein und mir hat das gut getan.

Oben konnte man ein paar andere Läufer sehen. Sie waren so klein inmitten dieser Landschaft, dass einem dadurch noch mehr bewusst wurde, wie weit der Weg noch ist.

Doch ich schaffte es und freute mich riesig über die Bergretter, die ich an der höchsten Stelle, am „Kapruner Törl“ erblickte. Wir waren auf 2700hm. Höher geht es nicht mehr. Endlich! Auch jetzt ging es direkt wieder steil bergab.

Ein ca. 500 m langer Schneeabstieg musste als nächstes durchlaufen werden. Von vielen Läufern schon eingetreten, dass es zu einer reinsten Rutschpartie wurde. Hier machten sich meine wenigen Alpinen Erfahrungen bemerkbar. Wahnsinn wie gut manche Trailer hier runter sind. Eine Frau gab mir noch einen Tipp, mit den Fersen in noch nicht zertretenen Schnee zu laufen, aber irgendwie hat es nicht so funktioniert. Dennoch fand ich es irgendwie geil und total verrückt, im Sommer durch Schnee zu rennen. Auch wenn ich einmal schön auf den Hintern gefallen bin und sich v.a. männliche Trailrunner herrlich darüber amüsiert haben.

Meine Schuhe waren wirklich nicht die besten für diese Strecke und die Stöcke die Empfohlen wurden, hätte ich hier gut gebrauchen können. Aber ich bin kein Fan davon. Ich will alles mit eigener Kraft schaffen, ohne Hilfsmittel und so natürlich wie möglich.

Kilometer 27-34 ging es relativ gerade. Über Wiesen und viele Wasserfälle die nur vorsichtig zu überqueren waren. Nur durch Steine die aus dem Wasser ragten, konnte man auf die andere Seite. Manchmal gab es kaum welche, sodass die Füße komplett nass waren.  Ein paar Kilometer bin ich mit drei anderen Läufern unterwegs gewesen und ich fand es toll, wie die Männer an schweren Übergängen immer zurückschauten, auf die kleine Frau warteten und fragten ob ich Hilfe brauche. Wer mich kennt weiß, dass ich alles alleine schaffen möchte, aber ich fand es dennoch cool, gemeinsam alle schweren Passagen zu meistern. Ich meinte nur, „Das darf meine Mami nie erfahren.“

 

Der „Stausee Mooserboden“ lag direkt vor mir und nach 6:02 h habe ich die letzte Zeitzone und den Getränkeposten erreicht. Zu dieser Zeit, war die erste Läuferin unserer Strecke schon seit 20 min im Ziel.

Ab jetzt waren es noch 16 km. Ich dachte nur, „Das ist die Strecke von mir Zuhause zu meinen Eltern. Die packst du jetzt auch noch." Vor allem, weil die Umgebung hier 100x schöner ist und es fast nur noch abwärts geht.

Ich war nicht mehr zu stoppen. Das waren auch die einsamsten Kilometer von der ganzen Strecke. Ich habe kaum noch Läufer gesehen.

Nach weiteren 6 Kilometern konnte ich das Tal und Kaprun sehen. Den Ort, wo die Ziellinie auf mich wartet.

 

Ich war voller Vorfreude und konnte es nicht mehr erwarten, endlich zu Finishen. Mit der neusten Musik auf meinem IPod, rannte ich die letzten Abstiege runter wie der Wind. Songs wie, Halo 4-Nemesis (1uP's 4 Shot Remix) oder Solomon`s Theme (Battlefield 3 Soundtrack) trieben mich ein letztes mal an. Ich überholte dabei noch drei Frauen.

Die letzten 5 km waren hart. Ich konnte den Wald nicht mehr sehen. Wollte endlich auf die Straße und an dem Ortseingangsschild „Kaprun“ vorbei. Ich schaffte es nicht mehr die komplette Zeit zu laufen. Immer wieder bin ich ein paar Meter gegangen. Zwang mich, zum weiterlaufen. Der Kopf war fertig, der Willen ließ nach. Ich klatschte mir auf die Oberschenkel und sagte mir, BEIß LINDI! Komm, das tat auch alles schon vor einer Stunde so weh.

 

Nach 9:14.58 überquerte ich die Ziellinie mit einem breiten Lächeln. Die Zuschauer applaudierten und in der Menge erblickte ich meinen besten Freund und umarmte ihn.

Mit so einer Zeit habe ich nie gerechnet. Platz 30 von 59 Frauen. Ohne Stöcke, ohne wirkliches Training im Alpinen Geländen. Ich bin stolz was ich an diesem Tag geleistet habe.

Ergebnisse gibt es hier: https://services.datasport.com/2016/lauf/grossglockner-ultratrail/

Auch heute, 2 Tage danach, schwebe ich immer noch in den Alpen und kann an nichts anderes denken. Zurück bleiben nur unendliche Glücksgefühle, sowie zwei blaue Zehen, ein paar Blasen und noch holpriges Treppen auf- und absteigen bei mir Zuhause.

 

Ich bin so unendlich glücklich, dass ich diesen Sport für mich entdeckt habe. Nichts macht mich so happy, zufrieden und stark. Das Gefühl, umgeben zu sein von dieser atemberaubenden Landschaft, macht süchtig. Pure Freiheit! Und das Beste daran, all diese Eindrücke, kann mir keiner nehmen.

Der Alltagsstress kann noch so hart, die Menschen in der Stadt noch so hektisch und gestresst sein, in meinem Herzen trage ich ganz tief diesen einzigartigen Moment.

Und nächstes Jahr hol ich ihn mir wieder. Dann auf einer neuen Strecke. Einen neuen Ultra Trail.

26. Juli 2015 - So war der Eigerultratrail 2015...

Nach 10 Tagen sind meine Gedanken immer noch beim Eigerultratrail. Was für ein Erlebnis.

Es war das härteste, anstrengenste, größte, aufregenste, schmerzhafteste und glücklichste Rennen in meinem Leben. Ich hätte nicht gedacht, dass es so hart wird.

 

5:45 Uhr war der Startschuss. Bereits die ersten 10 Km bestanden aus 1000 Hm und mir kamen Zweifel ob ich überhaupt die komplette Strecke schaffen werde. Steil hoch oder runter, etwas anderes gab es nicht auf den 51 Km.

Es ist kaum zu glauben wie schnell die Zeit in den Bergen vergeht. Am ersten Posten schaute ich das erstemal auf die Uhr und wir waren bereits 2 h unterwegs.

Es ging immer höher und ich spürte den extremen Unterschied, dass beim bergauf die Muskeln arbeiten mussten und beim bergab die Konzentration das Wichtigste war. Jeder Schritt musste sitzen und ich war stolz über meine wochenlangen Stabilisationsübungen meiner Knie. Bei den steilen Abhängen, die ich flott runtergerannt bin, merkte ich ausschließlich meine Muskeln. Kein Schmerz im Knie. Auf dem gesamten Trail bin ich nicht einmal umgeknickt. Also alles richtig gemacht :).

Am letzten Posten kurz bevor es das Faulhorn hoch ging, freute ich mich, dass wir in 3 Km die Hälfte der Strecke, sowie den höchsten Punkt unseres Trails geschafft haben.

3 Km, ttzzzz, ist doch nichts. Denkste! Das war der wirklich härteste Teil der gesamten Strecke. 700 Hm auf 3000 m...noch nie vorher gemacht. Das gemeine daran, man konnte den höchsten Punkt sehen und alle anderen Läufer, die am Horizont immer kleiner wurden. Meine Muskeln brennten und ich zwang mich nicht nach oben zu schauen. Das macht dich in diesem Moment nur fertig. Einfach Schritt für Schritt sich hocharbeiten.

Ich versuchte meine Schrittlängen zu verändern. Mal ganz große weite Schritte, mal etwas kleinere. Mit jedem Schritt drückte ich mich fest mit den Händen am Oberschenkel ab.

Ich weiß nicht wie lange ich gebraucht habe, aber ich war unheimlich happy, als ich am höchsten Punkt ankam.

Kaum waren wir dort, fing es an zu regnen. Es herrschten ca. 5°C und irgendwie fand ich es cool, meine Regenjacke und Handschuhe anzuziehen. Hat es sich also mal gelohnt das ganze Zeug mitzuschleppen.

Wie als würde man im Winter laufen, so fühlte ich mich da oben.

Der Kopf musste wieder große Arbeit leisten. Steil ging es runter. Die Wege waren steinig, rutschig und verwinkelt. Alpen halt.

Ich kämpfte mich von Posten zu Posten, verschlang auf der gesamten Strecke ca. 2 Bananen, 3 Riegel, Trockenfrüchte, und kaum zu glauben, als Verweigerin von industriellen Zucker, Fruchtgummis und 5 Stück Vollmilchschokolade :D. Das war am Posten vor dem Faulhorn. Musste einfach sein und tat gut. Einfachzucker geht halt schnell ins Blut.

 

Die letzten 7 Km waren reine Kopfsache. Rennen war noch drin. Aber der Kopf schrie ständig, "Ach lass uns einfach maschieren". Somit wurde es ein Wechsel aus Laufen und Gehen.

Der Einlauf ins Ziel war sehr emotional für mich. Die Zuschauer in den Kaffee's und am Zielbereich klatschten für uns. Nach 11:05 h sind wir durch die Ziellinie. Tobi, mein bester Laufbegleiter blieb immer an meiner Seite und ich fiel ihm vor Freude in die Arme.

Wieder eine neue Herausforderung gemeistert. Wieder gekämpft und durchgehalten.

Am nächsten Tag waren wir schon wieder in den Bergen und sind noch einen Teil der Strecke E101 abgelaufen.

 

Neue Ziele für das nächste Jahr wurden schon gesetzt und ich bin froh, dass ich diesen Sport für mich entdeckt habe.

03. Juni 2015 - 7. REWE Team Challenge

Die 7. REWE Team Challenge mit meinen Laufschützlingen war ein voller Erfolg. Alle sind super durchgekommen und wir hatten eine Menge Spaß.

Ich bin sehr stolz und freue mich schon auf weitere gemeinsame Laufstunden.

Vertraue deinem Körper.

Erkenne deine Stärke.

Entdecke deine Grenzen.

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Elblandsport by Linda Schmidt

Dresden

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